Nachttanzdemo in Wuppertal geplant

Allüberall spriessen zum Frühling die Tanzdemos aus dem Asphalt. Auch hier will  basta! mit einer lauten und widerborstigen Tanzdemo in den Abendstunden des 30.April das Aktionswochenende zum 1.Mai einbassen. Mit dieser für Wuppertal neuen Demoform wollen wir zeigen, dass mit uns, mit den jungen Menschen und mit der Kulturszene zu rechnen ist, wenn sich in der Stadt sonst nichts mehr rechnet. Wenn die Räume verschwinden, verlagern wir das Geschehen eben auf die Strasse!

Hier dokumentieren wir den ersten Aufruf-Entwurf. Ihn und alles weitere möchten wir mit euch besprechen, ergänzen und erweitern. Dazu laden wir alle zum Nachttanzdemo-Vorgespräch am Mittwoch, den 06.04. ins Autonome Zentrum ein. Uhrzeit: 20:00 Uhr Update: Der endgültige Aufruf ist jetzt online

Unser Aufschlag für einen Aufruf:

Nachttanzdemo in Wuppertal am 30. April 2011

Dies ist der erste Entwurf eines Aufrufs für eine Nachttanzdemo, die am Vorabend des 1.Mai stattfinden soll. basta! lädt alle ein, diese Demo mit uns am Mittwoch, den 06.04.um 20:00 im AZ Wuppertal vorzubereiten. Änderungen und Ergänzungen dieses Aufrufes sind willkommen.

Am 29.01. diesen Jahres wollten die Nazis offen gegen das Autonome Zentrum in Wuppertal vorgehen. Dadurch ist das seit vielen Jahren selbstverwaltete Haus für soziale, politische und kulturelle Aktivitäten vielen wieder ins Bewusstsein gerückt. Dass ein Ort wie das AZ in Wuppertal bis heute überhaupt existiert, ist das Ergebnis langer Kämpfe um Freiräume..

Der Kampf für und um Freiräume für Kulturarbeit und politische Initiativen ist alt und doch wieder hochaktuell.

In Boomtowns wie Hamburg oder Berlin übernehmen Spekulanten und Geschäftemacher noch die letzten bezahlbaren Quartiere und Orte, verwandeln sie in Profitmaschinen und vertreiben alteingesessene Bewohner_innen aus ihren Wohnungen und die dort arbeitenden Künstler und Künstler_innen aus ihren Ateliers und Werkstätten. Währenddessen werden in den pleitegesparten Städten NRWs die letzten Mittel gestrichen, die für freie Kultur- und Jugendarbeit zur Verfügung standen.

Die Ignoranz der Stadtverwaltungen und Lokalpolitiker gegenüber den Bedürfnissen der Menschen – ob jung oder alt – ist krass. Wenn Jugendvertreter im Jugendausschuss das Missverhältnis zwischen aufwändiger Sanierung eines Opernhauses und Schliessungen von Jugendzentren anprangern, drückt das eine berechtigte Wut aus – darüber, dass die Schliessungen ihrer letzten Räume mit städtischen Schulden begründet werden, die sie später auch noch selber zu bezahlen haben.

Und wenn die, die darüber entscheiden, diese Wut lediglich achselzuckend zur Kenntnis nehmen, zeigt das, dass wir – heute wie vor dreissig Jahren – die Durchsetzung unserer Interessen selber in die Hand nehmen müssen.

Gleiche Erfahrungen machen auch Künstler und Künstlerinnen, die fast neidvoll auf die Kämpfe ihrer Hamburger Kollegen und Kolleginnen blicken müssen. Während die dortige Kulturszene einen gemeinsamen Kampf gegen Vermarktungstendenzen und die Vereinnahmung ihrer Aktivitäten als “Marke Hamburg” führen muss, wären Wuppertaler Künstler und Künstlerinnen schon froh, wenn die Stadtverwaltung überhaupt den Wert in ihrer Arbeit erkennen würde.

Im Tal machen wir jedoch immer wieder die Erfahrung, dass die Chancen, die die Situation Wuppertals auch bietet – z.B. leere Räume, Flächen oder ungenutzte Strukturen – nicht nur nicht erkannt werden, sondern dass Eigeninitiative allzuoft mit billigen Argumenten im Keim erstickt wird. Wir würden ja gerne einen Kampf gegen das Gentrifidingsbums führen.

Stattdessen reiben wir uns in der Auseinandersetzung mit kleinlichen Behörden auf, die einem Kulturideal anhängen, das weniger die Bedürfnisse der Wuppertaler_innen als vielmehr die Interessen einer vermeintlichen Elite im Blick hat. Gefeierte Projekte wie die Wiedereröffnung des Barmer Bahnhofs, die Renovierung des Opernhauses und der gleichzeitige lieblose Umgang mit dem Schauspielhaus zeigen, dass die Lokalpolitik ihre eigenen Prioritäten setzt. Und eine Subventionierung des “Rex-Theaters”, die höher ausfällt, als die Gesamtsumme die der freien Kulturszene zur Verfügung steht, ist ein Schlag ins Gesicht all jener, die sich darum bemühen, Kultur anzubieten, die sich alle Wuppertaler_innen leisten können.

Am Vorabend der Jubiläumsausgabe der autonomen 1.Mai-Demonstration, die vor 25 Jahren das erste Mal unangemeldet durch Wuppertal zog, wollen wir mit einer lauten und entschlossenen Nachttanzdemo deutlich machen, dass ein, zwei, drei, ganz viele autonome Zentren und Freiräume eine unbedingte Notwendigkeit sind, wenn in dieser Stadt noch etwas gehen soll. Wir wollen nicht aufhören, laut und widerborstig zu sein, wenn sie uns die Räume wegnehmen und verweigern.
Wir verlagern unsere Aktivitäten dann eben in den öffentlichen Raum.

Mit der Nachttanzdemo am 30.April fangen wir damit schonmal an. Bringen wir die Verhältnisse zum Tanzen!

Das Schauspielhaus zum Autonomen Zentrum machen!
Keine Wiesenstrasse ohne Wiese!
Jung sein ist scheisse!

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4 Kommentare Kommentar schreiben
  1. Name sagt:

    coole sache nur schneidet sich der termin mit der nachttanzdemo in Duisburg!
    http://duiy.blogsport.eu/nachttanzdemo-2011/

  2. redaktion sagt:

    ‘schuldischung, dass die Freischaltung des Kommentars so lange gedauert hat.

    Das mit Duisburg haben wir natürlich mitbekommen – unsere Pläne waren aber schon gemacht, als das bekannt wurde. Wir denken auch, dass die Region groß genug ist, zwei solche Veranstaltungen zu stemmen, speziell am Vorabend des ersten Mai.

    Wir werden schon unseren Spaß haben am 30.04.

    Neues zur Wuppertaler Nachttanzdemo wird es übrigens im Laufe dieser Woche geben.

  3. Bären Jude sagt:

    aber die nachttanzdemo in duisburg wurde wesentlich früher öffentlich gemacht.da hättet ihr eure planungen auch noch ändern können.
    aber naja,typisch für die szene in wuppertal.

  4. redaktion sagt:

    Ach, häng’ das doch nicht so hoch. Und “typisch für die Szene in Wuppertal” ist höchstens, dass es auch ausserhalb “der Szene” immer viele Aktivisten und Aktivistinnen im Tal gibt, die sowas vielleicht sogar mal ganz alleine anstossen… In Wuppertal findet seit einem Vierteljahrhundert eine autonome 1.Mai-Demonstration statt. Diesmal ist das also eine Jubiläumsausgabe. Wenn da am Vorabend schonmal gefeiert werden soll, hat das mal gar nix mit irgendwas anderem zu tun.

    Und – nebenbei: Am Vorabend des 1.Mai werden die meisten ohnehin in der engeren Umgebung in den Mai tanzen wollen. Dass Volksmassen auf Reisen gehen, um anderswo in die Nacht zu tanzen, darf ohnehin bezweifelt werden. In diesem Sinne: Schafft ein, zwei, drei, ganz viele autonome 1.Mai-Demos und noch viel mehr Nachttanzdemos in der Region. Hier leben 12 Millionen Menschen, das passt schon.

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